Ermittlung & Archivierung

_Text StaEU

Über Standard Euro.doc,

_ Dr.Dagmar Deuring

INFOBLATT

Standard Euro_

Ein Projekt von Anne Metzen

Auf den ersten Blick ist Standard Euro eine große Ansammlung von Kisten in genormten Größen aus hellem, unbehandeltem Holz, verteilt im Raum oder ordentlich aufgereiht in Regalen, von Papieren mit computergeschriebenen Listen, Verzeichnissen und Anleitungen oder Schemata sowie von diversen Büro- und Verpackungsmaterialien.

Konzeptionell ist es ein seit seinem Beginn 1997 stetig wachsendes, sich selbst reflektierendes und nach eigenen Gesetzmäßigkeiten produzierendes Wirklichkeitserfassungs-, -archivierungs- und -verwaltungssystem.

Als künstlerisches Projekt ist Standard Euro eine weit ausgreifende prozesshafte Erkundung von Zeit und Wahrnehmung, von Ich und Umgebung, von Eigentlichem und Rest – und der Ökonomien von (künstlerischer) Arbeit.

Standard Euro zielt zunächst darauf ab, ausgewählte Phänomene des Zeitgeschehens „festzuhalten“ und unter verschiedenen Fragestellungen analysierbar zu machen. In seiner Anlage als bis ins Detail ausgearbeitete Ordnungsstruktur ist es zugleich eine experimentelle Studie über die Verfasstheit unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit.

Im hyperbolischen Gestus der Durchorganisation und Katalogisierung selbst noch der Abfälle spiegelt und erprobt Standard Euro einen tendenziell allumfassenden Systematisierungsdrang in unserer Welt.

Eine Triebfeder der Arbeit ist das Bedürfnis, die Wirklichkeit wahrzunehmen und sich zu ihr zu verhalten. Wie ist es jedoch möglich, angesichts der Fülle und der Geschwindigkeit der täglich auf uns einstürzenden Informationsfluten ein einigermaßen verlässliches Bild der Realität zu erhalten? Und in welcher Beziehung steht der oder die Einzelne zu diesen Wirklichkeiten bzw. zu den daraus geschaffenen Bildern? Wie kann sie oder er sich dazu verhalten? – Eine Frage, die auch die unterschiedlichen Zeitlichkeiten der Nachrichtenticker und des individuellen, körperlichen Lebens betrifft. Nicht zuletzt: Worin liegt der Wert der eigenen Arbeit?

Standard Euro ist der Versuch, in den Prozessen der Arbeit selbst mit diesen Fragen umzugehen: im Sammeln, Ausschneiden, Aufkleben und Beschriften von Zeitungsartikeln – im je eigenen Tempo dieser handwerklichen Tätigkeiten; im Herauslösen und Schaffen von „Kapseln“ aus dem Strom der Zeit durch die Auswahl und bildnerische Nachgestaltung einzelner Phänomene in unterschiedlichen Materialien. Und in der systematischen Einbeziehung eines Dialogs mit verschiedenen Öffentlichkeiten etwa über den Verkauf jener Produktionen auf dem Kunstmarkt oder durch das Integrieren von Reaktionen auf die Arbeit als gesellschaftliches Handeln.

So ist Standard Euro eine Plattform für eine breitere Auseinandersetzung mit unserer Wirklichkeit wie eine eigene künstlerische Arbeit. Und ein Prototyp für weitere Wirklichkeitserfassungs-, -archivierungs- und -verwaltungssysteme, in denen sich andere kulturelle und persönliche Perspektiven ausdrücken mögen.

Dr. Dagmar Deuring

About Standard Euro.doc,

_ Dr.Dagmar Deuring

INFOBLATT

Standard Euro_

by Anne Metzen

Launched in 1997 under the title “STANDARD EURO” was an endeavor devoted to researching and systematizing everyday phenomena and daily world affairs under the aspects of standardization, scaling, and formalization.

The painstaking investigations and process-oriented archival activities of Berlin artist Anne Metzen find their expression in art images, in objects, as well as in a perpetually expanding, cumulative installation, the archive STANDARD EURO. Emerging from the sum of investigations of simple individual observations is an intricate conceptual space, which incorporates both receivers and the surrounding situation.

Objects, events, and conventions – for the most part in the form of self-made for preexisting (image) materials, are extracted from everyday life, examined, and incorporated into the STANDARD EURO system. These in turn become the bases for newly-created works for which individual forms of expression will be found in accordance with fixed parameters.

Materials and production processes are drawn from diverse areas. To date, these have included industrially manufactured semi-finished products, prints, photographs, sculptural objects, reliefs, and works that are medial in nature. Whether collected, research materials or self-made works, each item is assigned a special storage location. Notes, sheets of paper, photographs, cards, objects: everything is sorted into precisely designated, labeled portfolios, folders, cartons, boxes, or crates.

This archiving process is guided and structured by a specially created ordering system with its own nomenclature, one that is visible on all objects. All processes and holdings are registered according to specific criteria in so-called lists and card indexes. Like everything else, these are submitted to constant reworking so that each theme and its processing becomes stratified without ever coming to an end.

The assembled information as well as newly-created materials can be combined with one another according to definitions of contents, appearance, temporal classification, etc.. New interconnections/interrelationships result, ones relying on established conventions of seeing.

Storage containers are piled up to form stacks and arranged in space-filling ways, while only a selection of the content is actually displayed. Depending upon the exhibition theme and the features of the specific venue, these are continually different, and the stacks are also configured differently. Newly-created and recently-acquired materials differ visibly from older ones.

Freier Standard u Archiv.doc,

A : Grundlegendes

/Über die Sagbarkeit zu Standard Euro

Über Standard Euro etwas zu sagen, ist immer nur der Versuch einer Annäherung. Sagen heißt: die Vorgänge, Methoden und Inhalte zu beschreiben und die Zusammenhänge, in denen sie in verschränkender Weise zueinander stehen, zu beleuchten. Dabei kann es sich stets nur um eine Momentaufnahme handeln, da das Betreiben dieses Forschungsprojektes ständigen Änderungen und Weiterentwicklungen unterworfen ist. Im Moment des Auftretens reicht es immer in die Vergangenheit zurück und greift gleichzeitig in die Zukunft, hinterlässt zwischen all den Parametern und dem Konkretisierten zahlreiche Leerstellen, Grauzonen, Überholtes, Revidiertes und Vermeintliches.

/Beschreibung Stand 1/2014

Standard Euro ist ein Forschungsprojekt zur Ermittlung und Archivierung Freier Standards, begonnen 1997.

Anlass und Ausgangspunkt zu diesem Forschungsprojekt ist das Erleben von Irritation und Überforderung.

Es gründet zum einen auf der Fragestellung, wie sich ein Umgang mit der Quantität und Qualität von alltäglich zu Verfügung stehenden Informationen finden lässt.

Zum anderen beruht es auf der Unfähigkeit, auf das zunehmende menschliche Erzeugen und Betreiben von vielen verschiedenen, ineinander verschränkten und sich ständig ändernden Systemen, innerhalb derer sich alles was (Welt) ist bedingungslos einschreibt, zu reagieren.

Die heutige Welt verstehen, ist, die Welt als eine ausnahms- und endlose Verschränkung von unzähligen Einzel-Systemen zu begreifen.

Standard Euro ist der Versuch, einen möglichen Umgang mit der Fülle und Art heutiger Informationen, mit den ihnen innewohnenden Wahrheiten und Missbräuchen dergleichen, ihrem Verwertungspotential und ihren Bedrohungen zu formulieren.

Standard Euro besteht aus zwei ineinander verschränkten und aufeinander verweisenden Interessen: dem Ansinnen des Sammelns und Bewahrens und dem der Ermittlung.

Ersteres betrifft die Entwicklung eines eigenen (Archivierungs-) Systems, das jede mögliche Form von Informationen nach bestimmten ermittelten und festgelegten Gesichtspunkten auswählt, aufnimmt und verwaltet und den dabei entstehenden Prozess augenscheinlich thematisiert und zeigt. Das bedeutet, dass die Objekte oder Artefakte, die diesen Prozess belegen und visualisieren sollen, einem ständigen Wandel unterworfen sind und eher wie Beweisstücke einer Momentaufnahme zu betrachten sind. Sie existieren nur zu einem Zeitpunkt in einer ganz bestimmten Form. Die Belege sind unbeständiger Natur.

Bei dem zweiten Anliegen handelt es sich um ein Forschungsinteresse, dessen Inhalt und Absicht es ist, aus der Fülle der zusammengetragenen und sortierten Informationen und über den langen Zeitraum der Beobachtungen hinweg so etwas wie ein Filtrat, einen Point of State, einen Zustandswert zu ermitteln.

Die Ermittlung findet eine Visualisierung in einem konkreten Endprodukt, in so etwas wie einem Forschungsergebnis - dem so genannten Freien Standard. Meist handelt es sich dabei um einen Beleg von Bestand und Dauer.

Das Zusammenführen beider Interessen soll eine Ahnung davon entstehen lassen, wie sehr man beim Ausloten und Abstecken der Grenzen eines Systems und im Umgang mit Informationen in ein Wechselspiel von Sinnhaftigkeit und Absurdität von Überregulierung, Beliebigkeit und Grauzone gerät.

Standard Euro ist ein Projekt mit offenem Ende, bei dem Gesammeltes, Themen, Belege und Parameter nicht nur ein immer größeres Volumen annehmen, sondern auch eine zunehmende Dichte und Verschränkung entwickeln sollen.

/Der Freie Standard

Phänomene des Alltags und des täglichen Weltgeschehens - Informationen - werden aufgegriffen und auf ihre Standardisierbarkeit, Normierung oder Formalisierung hin geprüft. Die ausgewählten Informationen - diese können sein: Dinge, Ereignisse, Konventionen, etc. -meist in Form von Bildern und Worten- werden nun in einen mit festgelegten Regeln funktionierenden Prozess der Klassifizierung, Ablage und Verarbeitung aufgenommen.

Ihres Kontextes entledigt werden die Informationen als reine, „freie“ Informationen zur Grundlage von anzufertigenden Belegen und zu Neukombinationen aller Bestandteile.

Bei der Betrachtung von Standards im weitesten Sinne geht es weniger um all die standardisierten menschlichen Alltagsprozesse, die ein Überleben mit einer gewissen Geschwindigkeit erst ermöglichen und auch nicht um die von der Industrie, vom Sozialsystem, etc. etablierten Normungen in Lebens- und Arbeitsbereichen.

Es geht um Standards, die nicht allgemein thematisiert und offensichtlich sind, es geht dabei um das, was sich fast unbemerkt als allgemeingültiges Ist in unseren Köpfen festgesetzt hat, das, was an Tagesgeschehen zur uns ständig umgebenden Abstraktion, zur Norm, zum Ikon, zum ungeschriebenen Gesetz wird.

Die Suche nach Standards findet auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen statt. Es kann sich dabei um die Wiederholung eines Phänomens oder einer Form handeln, es kann aber auch eine Art von Informierungs-/Informationsstrategie sein, die landläufig von den einschlägigen Medien betrieben wird, es kann sich aber auch um einen geschichtsbedingten Ikonisierungsprozess eines Ereignisses oder einer Person handeln, usw.

Das Standard-hafte kann verstanden werden als eine Schablone, durch die die Welt betrachtet wird, man kann darin aber auch eine Art Konstante innerhalb einer Welt/ Zeit, die durch starke Veränderungen gekennzeichnet ist, sehen und eine Form von Selbstvergewisserung/ Gewissheit daraus ziehen. Der beim Archivieren entstehende Prozess fügt sich in das sich ständig weiterentwickelnde Ordnungssystem mit eigenen Parametern. So sind die Größen der Belege, der Aufbewahrungsbehältnisse, Informationsträger, die verwendeten Schriftarten, etc. normiert und festgelegt, jedes Objekt nummeriert, codiert und Bestandteil einer eigene Nomenklatur. Das Informationsmaterial und die Belege werden geschichtet und gestapelt, in normierten Kisten, Kästen, Schachteln. Die Vorgänge und Bestände sind in einem Regelwerk, in Schemata, in Stammbäumen, Anschauungstafeln, Listen und Karteien erfasst, die Belege sind z.T. industriell gefertigte Objekte, Drucke und Schablonen, Cutouts, Stempelungen, serielle Abgüsse, u.a.

/Das Archiv

Das Archiv als Institution, wird bei Standard Euro nicht nur als ein Gedächtnisort/Speicher betrieben, der versucht Beweise einer Gegenwart zu retten, sondern auch verstanden als eine dynamische Organisationsform, als eine Form von Logistik bzw. als ein künstliches Regelsystem. Es ist dabei sehr genau angelehnt an real existierende Archivierungsverfahren.

Die Archivierungsarbeit ist als ein sich über lange Zeiträume erstreckender offener Prozess anzusehen, innerhalb dessen kleinere, abgeschlossene Einheiten - die so genannten Belege - hergestellt werden.

Dieser Archivierungsprozess weist mehrere unterschiedlich erfahrbare Geschwindigkeiten auf. Er unterliegt dem Spiel von Latenz (der sich in der Schwebe befindenden Informationen außerhalb wie innerhalb des Archivs) und dem Druck der Aktualisierung.

Bei den ermittelten Geschwindigkeiten handelt es sich um erstens die Welt-Ereignissen, die in eine lineare Zeit-Abfolge eingeschrieben sind, zweitens um die Biografie und dem Wahrnehmungs-Verhalten des Archivierenden und drittens um den Umschichtungs- und Ablageprozess, der einhergeht mit dem Finden und Entwickeln von Formen und Strukturen stiftenden Parametern.

Standard Euro sammelt, sortiert und legt ab.

Sortieren führt aufgrund der Gliederungen mit ihren Unter- und Spezial-Einteilungen zu einer Atomisierung einer Information/ einer Begrifflichkeit und zu den Grauzonen ihrer Ablage. Sortieren und Ablegen scheint eher ein Vorhaben zu sein. Denn selten findet eine Information in Form eines Artefakts eine endgültige Zuordnung; meist bleibt sie in der Schwebe, die Ablage ist eine vorübergehende. Erst das Vergehen von Zeit lässt Informationen zu Sedimenten aufschichten, über den längeren Zeitraum hinweg findet sich ein Ort, eine Zuordnung, eine Gewissheit.

Das zusammengetragene Ausgangs-Material bilden Karteien mit gefundenen und selbstangefertigten Bildern/Fotos, Langzeitstatistiken, Interviews, Protokollen. Bei den Ein- und Ausschlussmechanismen des Archivierens spielen nicht nur die zu Beginn des Prozesses aufgenommenen, in mehreren Etappen aussortierten Materialien/ Informationen eine Rolle, sondern auch die beim Produktionsprozess anfallenden Abfälle. Sie werden dem System zurückgeführt und gleichwohl als Bild- und System konstituiernde Komponenten wieder eingesetzt.

Weiterhin sind Ort, Raum und Platz von Bedeutung, an dem das zusammengetragene und abgelegte Material/ Information Volumen annimmt.

Im Gegensatz zum Arbeits- bzw. dem Lagerraum als reine Aufbewahrungs- und Produktionsstätte ist der von Standard Euro „bespielte“ öffentliche Raum – der so genannte InfoRaum_AusstellungsRaum - der Ort einer punktuell inszenierten Verräumlichung des Archivs, also einer Auswahl all der das Archiv bildenden Elemente.

Die Bestandteile des Archivs sind bei dem öffentlichen Auftritt - dem InfoRaum_AusstellungsRaum - je nach Beschaffenheit des Raumes und der Thematik individuell zusammengetragen und angeordnet. Für den ersten Blick sind bestimmte Inhalte gar nicht oder nur in begrenztem Umfang zu sehen. Information wird gezielt freigegeben bzw. zurückgehalten.

Wer darüber hinaus Einblick in die verschiedenen Bereiche des Systems gewinnen möchte, muss je nachdem Tafeln lesen und Schemata studieren, muss Gurte lösen, Deckel heben, Kisten wuchten, Schachteln umschichten, Karteikarten blättern, alles auslegen, verschieben - Geheimnisse lüften, Zusammenhänge schaffen, etwas nach-vollziehen, und ganz nebenbei eine mögliche persönliche Selbstvergewisserung von Welt entwickeln.

_Arbeitsarchiv

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Ausstellungen

_InfoRaum, 2016, Galerie Loris, Berlin, Germany – group

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FeldArchiv_Proteste2

Galerie Loris, Berlin, 05_2016

Aus ihrer gesamtarchivarischen Arbeit Standard Euro präsentiert Anne Metzen in der Gruppenausstellung BASED ON WHAT WE CALL A TRUE STORY so genannte Belege zum Thema Protest. Ihnen zugrunde liegen die seit Jahren gesammelten und archivierten Zeitungsbilder, die Szenen weltweiter Protestaktionen zeigen. Bilder von protestierenden Menschen und Protestsprüche auf Schildern gehören mittlerweile zum tagespolitischen Medienbild-Repertoire und bilden in der Arbeit Standard Euro einen Ermittelten Standard. Die hier gezeigten Bilder und die Kartei führen die bereits zu Anfang des Jahres 2016 in Leipzig (Kunstraum B2) zu sehende Installation (InfoRaum_FeldArchiv) zu diesem Thema fort. So ist hier eine der dem FeldArchiv während der Ausstellungsdauer in Leipzig zugeschickten Karten mit aktuellen Sprüchen zu sehen. Weitere Arbeiten belegen u.a. als Vergrößerungen Ausschnitte aus ausgewählten Zeitungsbildern - eine Protestierende, ein Protestspruch, eine Kartei mit Protestsprüchen, die abgelegt sind nach Städten, in denen sie auftauchten - aber auch andere Elemente des Systems.

text.doc,

FeldArchiv_Proteste2

In the group show BASED ON WHAT WE CALL A TRUE STORY, presents so-called documentary evidence on the theme of protest from her total-archive work Standard Euro. These are based on newspaper images, collected and archived over many years, which show scenes of worldwide protest movements. Pictures of people protesting and protest slogans on signs are now part of the political day-to-day image repertoire of the media, and as such form an established norm in the work of Standard Euro. The pictures shown here and files carry forward the installation (InfoRaum_FeldArchiv) on this theme shown at the beginning of the 2016 in Leipzig (Kunstraum B2). The works prove as enlargements, excerpts from selected newspaper pictures – a protester, a protest slogan, a file of protest slogans and a cartridge box with protest slogans classified according to the city where they occured – but also other elements of the system.

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_InfoRaum, 2016, Galerie b2, Leipzig, Germany – group

text.doc,

FeldArchiv_Proteste1

Galerie b2, Leipzig, 03_2016

Aus der gesamt-archivarischen Arbeit Standard Euro wird der Aspekt weltweit stattfindender Protestaktionen thematisiert. Die Installation, bestehend aus zahlreichen Bestandteilen wie den genormten Kisten, Paletten, Schachteln und Listen aber auch speziell zu diesem Thema bislang angefertigte Karteien und Karten, wurde für den Ort und Ausstellungskontext konzipiert. Die hier gewählte Form des sogenannten FeldArchivs dokumentiert das prozesshafte Arbeiten mit Informationen und deren möglicher Verwertung.

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_InfoRaum, 2015, Galerie Loris, Berlin, Germany – group

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23 Fehlende Bouquets

Galerie Loris, Berlin, 09_2015

Die Arbeit „23 Fehlende Bouquets“ thematisiert ein weiteres Mal den Ort, an dem Politiker meist unterschiedlicher Länder zu Gesprächen zusammenkommen und der auf spezielle Art für die Öffentlichkeitswirkung - wie dem Pressebild - in Szene gesetzt ist. Im Gegensatz zu der Arbeit mit dem Titel „43 Bouquets“ (05_2015), bei der es um eine Auflistung der tatsächlich vorhandenen mehr oder weniger prächtigen Bouquets bei diesen Zusammenkünften geht, thematisiert „23 Fehlende Bouquets“ eben deren Abwesenheit. Dies führt zu einer Auflistung von „leeren“ beigestellten Tischen, denen nur durch den Titel eine besondere Aufmerksam zuteil wird: ihnen fehlt etwas. Einem dieser leeren Tische wird als fiktiver Bestandteil der Gesamtarbeit ein Blumenschmuck entwickelt. Bei der ausgewählten Situation und dem dazugehörenden Tisch handelt es sich um den spontanen Besuch des deutschen Außenministers Steinmeier beim frisch zum Präsidenten gewählten Suleiman in Beirut 2008. Die Parameter, die bei der Auswahl der Blumen angewendet werden, haben konsultierte Spezialisten vorgegeben: das Referat für Veranstaltungen des Auswärtigen Amtes, Berlin und ein Berliner Event Florist. Anhand derer wird ein mögliches Bouquet für die genannte Zusammenkunft in Beirut erstell - so wie es Deutschland für dieses Treffen hätte mitbringen können. In der Gruppenausstellung „Spezialisten leisten immer etwas Besonderes“ in der Galerie Loris steht das Bouquet allerdings für die Expertise zur künstlerischen Arbeit - vorübergehend abgestellt.

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_InfoRaum, 2015, Galerie Loris, Berlin, Germany – solo

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TEXT_Galerie Loris_DE

InfoRaum_LuftBeben

Galerie Loris, Berlin, 06_2015

Aufgrund der Nutzbarmachung des Luftraums und des „Umwelt-Designs“(1) ist es an der Zeit den Luft-Raum anders zu definieren. Bislang wurde der Luft-Raum als „der Raum, der dem Menschen fast unbegrenzte Freiheit bietet“(2) wahrgenommen, er wurde unangetastet in seiner Selbstverständlichkeit erlebt, als ein Ausblick und Hinausgreifen ins Undefinierte und vom Boden Losgelöste. Mittlerweile aber birgt er zunehmend die latent bedrohliche Komponente des Unsichtbaren.

So könnte eine Schlussfolgerung beim Betrachten und Erfassen der Ausstellung InfoRaum_Luftbeben sein, die in der Berliner Galerie LORIS zu sehen ist. Anne Metzen zeigt einen speziell zusammengestellten Themenbereich aus dem von ihr seit 1997 betriebenen komplexen künstlerischen Forschungs- und Archivierungsprojekts, das unter dem Namen Standard Euro firmiert.

Zu sehen sind die visuellen Auswirkungen von luftgestützten Operationen und Manipulationen der Atmosphäre, die aus ihrem Kontext gelöst wie zeichenhafte Einschreibungen in Luft und Erde wirken.

Bei den gezeigten Motiven handelt es sich um weitestgehend durch den Menschen verursachte Eingriffe, die in der Luft stattfinden, durch die Luft gesteuert werden bzw. die Luftqualität maßgeblich beeinflussen, wie u.a. Luftangriffe, das Versprühen von Giftgasen, der Aufbau von Hochfrequenz-Feldern in der Ionosphäre oder die Luftaufklärung mit unbemannten Flugzeugen.

Mit dem Sammeln, Aufspüren, Zusammentragen der Spuren von Ereignissen und Vorkommnissen definiert Standard Euro in der Typologie und Methodik des eigenen

Systems Freie Standards und folgt damit dem systemimmanenten Forschungs-interesse: Der Ermittlung von Blicknormierungen und Ikonisierungsprozessen von Ereignissen durch Medien und Internet.

In dieser Ausstellung gewährt Anne Metzen dem Besucher Einblick in die vielschich-tigen Strukturen ihres Wirklichkeitserfassungs-Systems Standard Euro. In der raumgreifenden Installation sind u.a. Systemholzkisten, Karteien, Listen, Register, Animationen aber auch Arbeiten in Beton und auf Papier zu sehen.

1 Peter Sloterdijk; aus dem gleichnamigen Buch Luftbeben. An den Quellen des Terrors, 2002

2 Otto Piene, 1961

text.doc,

TEXT_Galerie Loris_EN

InfoRaum_LuftBeben

Galerie Loris, Berlin

06_2015

Due to the utilisation of airspace and ‘environmental design’(1) the time has come to re-define airspace. So far airspace has been perceived as ‘that space offering man almost unlimited freedom’(2); it was experienced untouched in its self-evidence, as a prospect and outreach into what is undefined and detached from the ground. Meanwhile, however, it harbors more than ever the latently threatening component of the invisible.

This could be one conclusion while regarding and appreciating the exhibition InfoRaum_Luftbeben, to be seen at Berlin gallery LORIS. Anne Metzen shows a specially compiled thematic department of her complex artistic research and archive project she pursues since 1997, operating under the name of Standard Euro.

To be seen are the visual consequences of air-based operations in, and manipulations of, the atmosphere, which, taken out of their context, appear like emblematic inscriptions into air and earth. The motifs shown represent for the most part man-made interventions taking place in the air, controlled via the air, or significantly influencing air quality like, e.g. air raids, dissemination of poison gas, setup of high-frequency fields in the ionosphere, or air reconnaissance with unmanned aircraft.

With the collection, detection, and compilation of traces of events and incidents Standard Euro defines within the typology and methodology of its own system free standards, thus pursuing a scholarly interest inherent in the system: the investigation of regard standardizations and iconization processes of events by the media and the Internet.

In this exhibition Anne Metzen allows the visitor an insight into the multi-layered structures of her Standard Euro reality-capturing system. The extensive installation brings to view among other things system wooden crates, files, lists, registries, animations, but as well works in concrete and on paper.

1 Cf. Peter Sloterdijk, translated from his book of same title, Luftbeben. An den Quellen des Terrors, 2002

2 Cf. Otto Piene, 1961

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_LichtBildVortrag, 2015, Galerie Loris, Berlin, Germany – group

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Open Space. 11 Issues. Displaycing the Present

Galerie Loris, Berlin, 05_2015

Im Kontext der Gruppenausstellung '11 Issues. Displacing the Present' tritt Standard Euro in Form eines möglichen LichtBildVortrags auf.

An eine der großen Fensterscheiben, die die Galerie zu zwei Seiten zur Potsdamer Straße hin öffnet wird ein Bild zweier Folien mittels eines Overheadprojektors projeziert. Darauf zu sehen sind der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und der ehemalige rumänische Staatspräsident Ceausescu. Entnommen ist dieses Bild der ZeitungsBildkartei aus dem Register Politiker. Audienzen. Es ist stellvertretend für die Sammlung an Bildern von speziell dieser Art Politikerzusammenkünfte. Gesten, Positionen und Gebärden sind für die Kamera/ für das Medienbild eingerichtet und festgelegt. Zu dem standardisierten Bildaufbau gehört auch das Blumenbouquet, welches innerhalb dieser Arbeit thematisiert wird. Herausgelöst aus seinem eigentlichen Zusammenhang werden die Bilder von Bouqets aus 43 Audienzen über die Projektion sichtbar gemacht. Begleitend dazu gibt es eine 26 teilige LoseBlattSammlung zum Thema aufbewahrt in einer handnummerierten Auflagen-Schachtel.

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_LichtBildVortrag, 2014, KunstWerke, Berlin, Germany – group

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TEXT_KW_DE

InfoRaum_LichtBildVortrag

ONS#2 KW, KunstWerke, Berlin

10_2014

Kuratiert: ATRANS

Standard Euro tritt im Rahmen des One-Night-Stand ONS#2 KW Berlin mit einem LichtBildVortrag (LiBiV) auf. Dieser LichtBildVortrag wurde speziell auf die räumliche Situation und auf das Auftrittsformat des Abends angefertigt und eingerichtet. Gezeigt werden ein Ausschnitt und eine Momentaufnahme aus dem seit 1997 betriebenen Archiv, Forschungsprojekt und System Standard Euro. Ausgangspunkt ist der Blick in die Vorlagenkartei der Zeitungsbilder mit ihren dazugehörenden Listen und deren Verankerung in der Systemstruktur. Die Kartei bildet einen wichtigen Bestandteil des Archivs und dient maßgeblich der Ermittlung des Forschungsergebnisses – dem Freien Standard. In den Listen wird die Gesamtheit aller im Archiv vorkommenden Elemente erfasst, so auch die Zeitungsbilder. Behältnisse, Register, Bilder, Nummern, Nomenklatur, Cluster von wechselnden Sinnzusammenhängen – Informationen – nehmen laufend und nebeneinander Bezug aufeinander. Die Erfahrbarkeit des analogen Sich-durch-Blätterns durch Karteien und Listen und das Erstellen von Bezügen in dem komplexen Systemgeflecht von Standard Euro erfährt in der animierten Version des LichtBildVortrags eine neue und andersartige Übersetzung. Ergänzt wird der InfoRaum an diesem Abend durch das InfoGespräch (InfGe) mit Silke Feldhoff und Isolde Nagel und das InfoBuch (InfBu).

text.doc,

TEXT_KW_EN

InfoRaum_LichtBildVortrag

ONS#2 KW, KunstWerke, Berlin

10_2014

Kuratiert: ATRANS

For the One-Night-Stand ONS#2 at the KW Berlin Standard Euro presents an especially for this event concipated so called LichtBildVortrag (LiBiV). It shows a part of the archival and investigational work Standard Euro – a project conducted since 1997. The lecture is focussed on the collection of newspaper pictures, their listing and their relationship to other components and artefacts of the system structure. These pictures, kept in a rising amount of cartridge boxes, are the basic elements for finding out the result of the research process – the so called Free Standard. Every box, register card, number, picture and code, a.s.o. – every piece of information – is listed and related to each other. The flipping through the animated cards and slides creates in an experimental way various references to the complex system structure. It shows a new and different form of a Standard Euro InfoRaum presentation. This InfoRaum is complemented by the InfoGespräch (InfGe) and the InfoBuch (InfBu).

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_InfoPost, 2014, Galerie Loris, Berlin, Germany – group

_InfoRaum 2013 Galerie der HGB, Leipzig Germany – solo

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TEXT_HGB_DE

InfoRaum_

HGB Hochschule für Grafik und Buchgestaltung, Leipzig

04_2013

Kuratiert: Silke Feldhoff

Für die Galerie der HGB Leipzig konzipierte Anne Metzen einen Standard Euro_InfoRaum, der das System in der komplexen Verschränkung seiner drei Bereiche Entwicklung, Systemverwaltung und Bestand vorstellt. In einer dichten Landschaft aus Normkisten, in und auf denen verschiedene Belegstücke liegen, zeigt sich eine Auswahl des Bestandes, so z.B. Filzdrucke aus der Serie WüstenFelder (WüsFe), Filzreliefs der Serie EichmannImProzess (EiIPr) oder die EreignisWolken(ErWol), Graphitstaubschablonierungen auf Papier, die Wolken nicht-meteorologischen Ursprungs zeigen, die infolge eines Ereignisses entstanden sind, so z.B. des Atombombenabwurfs auf Nagasaki 1945, des Absturzes der Challenger 1986 oder der Luftangriffe in nordafrikanischen Ländern 2011.

Über Karteikarten, Listen und die als Vorlagen dienenden Medienbilder erschließt sich Standard Euros Systemverwaltung, die Entwicklung dieses Denksystems entfaltet sich schließlich über eine Präsentation von Klemmbrettern, Anschauungstafeln und anderem Material.

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_InfoRaum, 2013, Goetheinstitut, Rotterdam, Netherlands – solo

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TEXT_GOETHE _DE

InfoRaum_AusstellungsRaum

100 Reden, Goethe Institut, Rotterdam

02_2013

Kuratiert: ATRANS

Mit „100 Reden“ thematisiert Standard Euro innerhalb eines InfoRaums im großen Saal des Goetheinstituts Rotterdam Politikerbilder durch den Blick der Medien. Der InfoRaum wurde speziell auf den Raum hin konzipiert. Gezeigt werden ein Ausschnitt und eine Momentaufnahme aus dem seit 1997 betriebenen Archiv, Forschungsprojekt und System Standard Euro. Ausgangspunkt ist der Blick in den Register Politiker und seinen zahlreichen Unterregistern der Vorlagenkartei der Zeitungsbilder.

Anhand dessen zeigt sich die Normierung von Auftrittsformen, Gesten und Gebärden der auf die Rezeption der Medien ausgerichteten Politiker, Normen, die Standard Euro wiederum in Zahlencodes übersetzt entsprechend seiner System-immanenten Parameter. Zeitungsbilder, Karteikarten, Listen, Codes auf Tafeln und Boden sowie zeichenhafte Elemente des Raums verweisen beim Abschreiten und Erfassen der ausgestellten Objekte ständig aufeinander.

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_FeldArchiv 2011 ATRANS Container, Potsdam, Germany – solo

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TEXT_Contain_DE

InfoRaum_Container.Potsdam

Dialoge+2, Schiffbauergasse Potsdam

09_2011

Kuratiert: ATRANS

Wolken _ Flüchtige Zeichen

Das Ausstellungsprojekt DIALOGE+2 besetzt die Wasserseite der Schiffbauergasse in Potsdam mit drei Kunst-Containern.

Zwei davon bespielt Standard Euro, indem es mit seiner Arbeitsstätte in die Container einzieht (FeldArchiv). Der Besucher kann in das Laboratorium eintreten und an der Prozesshaftigkeit des Archivierens und des dabei vergehenden Zeitraumes teilhaben.

Standard Euro widmet sich dabei dem Freien Standard des Wolkenbildes.

Dazu wurden ermittelt zum einen die so genannten EreignisWolken also Wolken als Ergebnis eines Ereignisses wie Aschewolken in Folge eines Vulkanausbruches, oder Rauchwolken als Folge von Menschenhand bewusst erzeugter Zustände wie den Explosionen mit unterschiedlichen Anlässen.

Zum anderen werden Wolken thematisiert, deren Größe, Aussehen und Verhalten schwer erfassbar sind und sich nur schematisch darstellen lassen, wie die radioaktive Wolke oder die Datenwolke.

Verwiesen wird auf die Darstellung/ Instrumentalisierung der Wolke mittels des Medienbilds.

Eine weitere Umsetzung findet sich im Beleg ZettelWolke, das Gegenstand des hiesigen Forschungsinteresses ist. Entgegen den physikalischen Gesetzen - der Unfassbarkeit von Wolken - entwickelt Standard Euro eine „potentielle Wolke“, deren Bestandteile erfasst werden können. Dabei handelt es sich um Zettel – zerkleinerte Blätter Papier - die den Grauzonen des Papier-Abfalls entnommen sind; Grauzonen deshalb, da eine Abfall-Weiter-Nutzung selbst von nicht mehr genutzter Informationen in Form von beschriebenen oder bedrucktem Papier unter den allgemeinen Datenschutz fällt. (So verweigerten die angefragten Potsdamer Institutionen einen Beitrag an Informationsabfall an die Standard Euro’sche ZettelWolke zu leisten.)

Im Zusammenhang mit dem Ausstellungsprojekt gab es Gespräche von Standard Euro mit Prof.Dr.Günther Rüdiger vom Leibniz Institut für Astrophysik Potsdam und Dr.Fritz Reusswig vom Potsdam Institute for Climate Impact Research.

text.doc,

TEXT_Contain_EN

InfoRaum_Container.Potsdam

Dialoge+2, Schiffbauergasse Potsdam

09_2011

Curated by ATRANS

Clouds

On the occasion of the Potsdam exhibition, Standard Euro will occupy two containers as a workstation (FieldArchive). Visitors will be able to enter this laboratory and to participate in the processual aspects of archival activities and the associated passage of time. For the theme of investigation, Standard Euro is dedicated to the Free Standard of Cloud Formation. …deliberately generated states such as smoke clouds or clouds of ash, dust or radioactivity become the objects of localized research interest.

Standard Euro in Conversation with

Prof.Dr.Günther Rüdiger, Leibniz Institut für Astrophysik Potsdam

Dr.Fritz Reusswig, Potsdam Institute for Climate Impact Research.

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_LichtBildVortrag 2011 Thealit. Frauen, Kultur, Labor, Bremen, Germany – group

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TEXT_THEALIT_DE

InfoRaum_LichtBildVortrag

SystemVerrat_Lab. Thealit - Frauen. Kultur. Labor, Bremen

02_2010

Kuratiert: Andrea Sick, Claudia Reiche

Am letzten Tag der Ausstellung zum Lab-Thema „Verrat“ tritt Standard Euro in Form eines stummen LichtBildVortrags auf. In einer 3 stündigen Performance wird ein 15 Minuten dauernder Vortrag, bei dem Anne Metzen extra angefertigte Folien im Wechsel auf drei Overheadprojektoren auflegt, wiederholt.

Die Folien sind mit Inhalten aus der Archiv- und Forschungsarbeit Standard Euro bedruckt und thematisieren anhand der vermeintlichen Offenlegung des eigenen Systems den in Systemen allgemein angelegten Verrat beim Erklären desgleichen, da es das ihm innewohnende Geheimnis und die damit verbundene Macht preisgibt.

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_FeldArchiv 2010 Sinopale3, Sinop, Turkey – group

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TEXT_Sinopale_DE

InfoRaum_FeldArchiv

Sinopale 3 (Biennale), Sinop, Türkei

07_2010

Kuratiert: T.Melih Görgün

Hidden Memories - Lost Traces

Aufgefordert, sich anlässlich der Sinopale 3 mit der Geschichte der am Schwarzen Meer gelegenen türkischen Stadt Sinop auseinanderzusetzen, thematisiert Standard Euro die vor Ort gelegene Abhörstation. Dabei handelt es sich um ein Militär-Gelände auf dem höchsten Hügel der Stadt, der als äußerster Zipfel ins Meer ragt. Die Station wurde ursprünglich errichtet, um während des Kalten Krieges Nachrichten jenseits des Meeres abzufangen.

Standard Euro startet mit Sinop eine Forschungsarbeit zu weltweit existierenden Abhörstationen, die einem globalen Netzwerk der Informations-Beschaffung und- Verteilung angehören. Ausgehend von recherchierten Angaben und Aussagen Beteiligter erstellt Standard Euro eine Weltkarte, in die die noch vorhandenen und wichtigsten Stationen eingeschrieben sind. Basierend auf Satelliten-Bildern von Google Earth werden zehn Stationen ermittelt und deren grafisches Erscheinungsbild erfasst, das aufgrund technischer Gegebenheiten einem bestimmten Muster folgt.

Sie dienen als Vorlage für anzufertigende Belege (FilzDrucke).

Des Weiteren startet in Sinop eine Befragung der Bevölkerung, genauer der Personen, die in einer unmittelbaren Verbindung zur dortigen Abhörstation standen oder noch stehen. Die amerikanische Base bewirkte mit der Zeit kulturelle und auch wirtschaftliche Verschränkungen mit der kleinen, türkischen Stadt. Sie hinterließ Spuren in ihrer Struktur, Geschichte und Charakter und in der Bevölkerung. Der Einfluss macht sich auch nach ihrer Schließung durch die Amerikaner bemerkbar.

Die Interviews sollen Aufschluss geben über mögliche Muster der Aussagen der Personen, die in einem Zusammenhang mit den Abhörstationen standen.

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TEXT_Sinopale_EN

InfoRaum_FeldArchiv

Sinopale 3 (Biennale), Sinop, Türkei

07_2010

Curated by: T.Melih Görgün

Hidden Memories - Lost Traces

Geospatial Intelligence Network

Already before the Cold War started, in 1947, non-communist countries (USA, England, Canada, Australia, New Zealand) had formed a kind of listening network trying to collect the data via satellite or radio bearing. The received and deciphered information influenced the political and military steps in the armament race between the communist and non-communist states. So tells the History.

The most listening bases founded in this time still exist, the network as well. Only the name of it changed, only the aim of it changed.

The Base and its Environment

The Base is affiliated to the city close to it. A culturel and economic exchange takes place, people on both sides interact in their manner of living, behaviour and religious practices. People make a common history. The Base leaves behind a trace in the city and its population, structure and character are changed by its influence.

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_InfoRaum 2009, Preview Artfair, Berlin, Germany – solo

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TEXT_PREVIEW_DE

InfoRaum_Ausstellung

Flugobjekte_Preview Artfair, Berlin

09_2009

Kuratiert: ATRANS

Anlässlich der diesjährigen Preview Artfair, die in der Haupthalle des Tempelhofer Flughafens stattfindet, zeigt Standard Euro eine Zusammenstellung von Belegen, die das Fliegen bzw. Flugobjekte zum Thema haben. In einen der abgeschlossenen Seitenräume der Halle stapeln sich Kisten und Paletten auf Folie und in Folie eingepackt, teilweise zusammengurtet teilweise geöffnet. Auf einigen der Kisten liegen mit schwarzer Farbe bedruckte und bestempelte Papiere (FilzDrucke) obenauf, das Motiv sind die Bruchstücke der 1988 abgestürzten PanAm Maschine, die einem Attentat zum Opfer fiel.

In anderen Kisten liegen u.a. Belege zu schematischen Flugzeugquerschnitten (FliQu), der Landebahn des Flughafens Berlin, Schönefeld und der Absturz der Challenger.

Zu sehen sind auch Karteien mit Zeitungsbildern zu Flugobjekten, eines der Register versammelt Zeitungsbilder mit Flugzeugabstürzen.

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_Temporäre Station 2009, ATRANS Pavilion, Berlin, Germany – solo

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TEXT_PAVILLON _DE

InfoRaum_TemporäreStation

ATransPavilion, Pavillon Hackesche Höfe, Berlin

06_2009

Kuratiert: ATRANS

2009 tritt Standard Euro mit seinem gesamten Archiv im Rahmen der Platform ATransPavilion, einem Pavillon im hintersten der Berliner Hackeschen Höfe, in die Öffentlichkeit.

Der Pavillon ist so eingerichtet, dass während der 6 wöchigen Ausstellungszeit in Form einer so genannten TemporärenStation der Archivierungsprozess weiterbetrieben wird und der Besucher daran teilnehmen kann. Dies geschieht in Form von InfoGesprächen mit Verweisen auf die vorhandenen Karteien, Kisten und Belege. Die Gespräche werden in Protokollen festgehalten und fließen wiederum in das System ein.

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_InfoRaum 2008, Residencies GlogauAir, Berlin, Germany – group

Arbeiten

_Schemata (E)

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(E)

I Entwicklung

Struktur und Gruppenwesen.

Während der Systementwicklung haben sich innerhalb Standard Euros verschiedene Bereiche herausgebildet, die für bestimmte Abläufe, Tätigkeiten, Inhalte zuständig sind. Da diese Bereiche wiederum in so viele untergeordnete Bereiche einzuteilen waren, lag es nahe, die gröbste Unterteilung – E-S-B – als Gruppen zu bezeichnen, (…)

Die drei Gruppen sind: I Entwicklung, II Systemverwaltung, III Bestand

Jede Gruppe steht für einen bestimmten Inhalt, Methode, Ablauf, Parameter.

Die Gruppen sind nicht als in sich geschlossene Einheiten zu verstehen, vielmehr dienen sie einander und existieren auf Grundlage des jeweils anderen Bereichs.

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(S)

II SYSTEMVERWALTUNG

Der Bereich der Systemverwaltung (S) erfasst und sortiert das gesammelte und archivierungswürdige Material, verzeichnet die Vorgänge der Gruppen, betreibt die Nomenklatur - Nummerologie und Abkürzungen -, strukturiert und verwaltet die drei Gruppen, davon hauptsächlich den Bestand (B). Verwaltung findet seine Form in den Sammlungen, den Sortierungen, Listungen von Informationen und der Festlegung von Parametern. Es findet sich wieder in Schachteln, Karteien und Mappen, Listen sowie in dem Regelwerk.

Das eingegangene Material sind gefundene Bilder, zu großen Teilen Zeitungsbilder, Fotos, Worte, gefundene Artefakte.

In einem Regelwerk sind alle erarbeiteten und festgelegten Parameter zur Erstellung der Belege aller Gruppen und der das System konstituierenden Abläufe erfasst.

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(B)

/III DER BESTAND (B)

Der Bestand ist der dritte Teil der drei Gruppen Standard Euros. Er erfasst alle angefertigten Belege des EFS (Ermittelter Freier Standard) und umfasst damit das so genannte Forschungsergebnis. Die Belege des EFS sind nach Themen sortiert, die in übergeordnete und untergeordnete Bereiche gegliedert sind. Die Art der Aufbewahrung dieser Belege ist von tragender Bedeutung. Die dafür angefertigten Behältnisse – die InfoKisten - sind raumgreifende Elemente und dienen maßgeblich der Aufbewahrung und der Präsentation.

Die Belege des Ermittelten Freien Standards (EFS)

Die Belege des EFS sind zu verstehen als das Ergebnisprodukt des Archivierungs-verfahrens und des Forschungsinteresses Standard Euros. Inhalt und Aussehen unterliegen diversen Parametern. Sie werden mit unterschiedlichen Verfahren und Techniken hergestellt. Meist sind diese Verfahren solche, die sich für eine einfache Vervielfältigung von Bild-Informationsgut eignen – wie Drucken, Prägen, Schablonieren, etc. Sie unterstreichen die Idee der Wiederholung, der Wiederkehr von Gleichem oder Ähnlichem/ Verwandten.

Die Belege sind abgelegt in normierten, durchnummerierten und gekennzeichneten Kisten (Einkistung). Sind Belege größer als es die Unterteilung des InnenGestells in der Kiste zulässt, werden sie auf das passende Maß zerschnitten oder das Motiv entsprechend geteilt. Die Belege werden nur in oder auf den Kisten gezeigt. (…) Der Beleg an sich ist immer in seinem Bezug zum Archiv zu sehen. Im Falle einer endgültigen Veräusserung wird der veräusserte Beleg ein weiteres Mal angefertigt,so dass stets ein Beleg dem Archiv erhalten bleibt. Meist wird ein Beleg bereits in einer Zweier-Auflage mit der ersten Erstellung angefertigt.

Verlässt er durch Veräußerung seinen Ablageort, wird ihm ein Schein beigelegt, auf welchem die Daten zu seiner Verortung im System verzeichnet sind.

Kriterien zur Aufnahme in den Bestand

Das Bestandsgut oder auch Forschungsergebnis, die Belege des Bestands, müssen zur Aufnahme in den dritten Teil des Archivs ein Stück Welt - Menschen, Ereignisse, Erschaffenes - belegen, das im unmittelbaren oder im übertragenen Sinne auf ein System oder eine Systematisierung, auf Normen und Normierungen, auf Standards oder Schematisierungen verweist. Das archivierungswürdige Motiv kann unter anderem das Schema eines Vorganges oder Objektes sein, eine allgemeingültige Geste oder für die Normierung des Blicks auf die Welt stehen.

Die Motive der Belege beruhen auf Vorlagen, zusammengetragen in Form von Fotos, Zeitungsbildern, Grafiken, Statistiken und Recherchen der besonderen Art.

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_Karteien (S), Karten (S)

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/2.0 Karteien

Die Karteien sind Pappschachteln in zwei unterschiedlichen Formaten, bestückt mit Karteikarten und Registerkarten. In den Karteien befinden sich bereits ausgewählte Informationen, die Registern zugeordnet sind. Diese in den Karteien gesammelten Informationen sind als eigenständiger Bestandteil innerhalb des Systems anzusehen, wenngleich sie darüber hinaus noch weitere Funktionen haben. Sie können Bestandteil des AusstellungsRaums sein. Der Besucher hat dann die Möglichkeit, in den Karteien zu blättern.

/2.1 Karteien der Vorlagen

Die Vorlagenkarteien beinhalten gesammeltes Bildgut – Zeitungsbilder, Fotos, etc. - oder Artefakte, die als Vorlage für einen EFS dienen können.

In der/den Schachteln werden die ausgewählten Zeitungsbilder auf Karteikarten aufgezogen und zu unterschiedlichen Themen-Registern zusammengefasst aufbewahrt.

Die Schachtel enthält Karteikarten, Registerkarten und Erfassungskarten.

Die Register sind in übergeordnete Themen-Register und untergeordnete Themen-Register eingeteilt. Zu einem Register gehören immer Bilder, die die gleichen Bildelemente aufweisen.

/2.11a Karteikarte(g) Vorlagenkartei der Zeitungsbilder

In der Vorlagenkartei der Zeitungsbilder werden alle gesammelten und ausgewählten Zeitungsbilder erfasst.

Das Zeitungsbild entstammt einer oder mehreren überregionalen Tageszeitungen und ist dann ein sammelwürdiges Bild, wenn sein Bildinhalt/-charakter ein Bildzeichen/-Ikon seiner Zeit beschreibt oder Bildinhalt/-charakter bzw. seine Bildelemente immer wieder auftauchen. Das Zeitungsbild oder eine Serie von Zeitungsbildern sind Grundlage der Langzeitstudien und können als Vorlage für Belege des Bestands dienen.

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_Zeitungsbilder Register 001 (S) 13.02 Ereigniswolken

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ZB_Zeitungsbildkartei (S)

Reg. 13.02.1- 13.02.6 Ereigniswolken

Den Titel „Wolken“ trägt der Register Nr.13 innerhalb der Kartei der Zeitungsbilder mit der Schachtel-Nr.8 von 15 Karteien. Der Zeitraum des Sammelns ist von 2000 – 2013 ∞. Der Register Nr.13 ist bislang in zwei weitere Unterregister eingeteilt. Der Unterregister 13.02 Ereigniswolken ist wiederum in sechs weitere Unterregister eingeteilt. Gesammelt wurden/werden die Zeitungsbilder, auf denen Wolken zu sehen sind, die in einem bestimmten Ereignis-Zusammenhang aufgetreten sind. Sie sind entweder durch natürliche Kräfte verursacht oder durch Menschenhand hervorgerufenen worden. Oft verweist allein die Form der Wolke ohne ihr weiteres geschichts- oder geografisches Umfeld/ Zusammenhang auf das Ereignis, dessen Folge sie ist.

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_Zeitungsbilder Register 002 (S) 12 Kisten und Kästen

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ZB_Zeitungsbildkartei (S)

Reg. 12.01 – 12.03 Kisten und Kästen

Den Titel „Kisten und Kästen“ trägt der Register Nr.12 innerhalb der Kartei der Zeitungsbilder mit der Schachtel-Nr.15 von 15 Karteien. Der Zeitraum des Sammelns ist von 2009 – 2013 ∞. Der Register Nr.12 ist bislang in drei weitere Unterregister eingeteilt.

Gesammelt wurden/werden die Zeitungsbilder, auf denen Kisten und Kästen zu sehen sind. Kisten und Kästen werden auf der ganzen Welt gebaut, eingesetzt, gebraucht. Sie bergen Sammel- und Transportgut. Bei den zusammengetragenen Bildern stehen die Inhalte in einem geschichtlichen, politischen und gesellschaftlich relevanten Kontext.

Die Sarg-Kiste - „Särge“- als Motiv eines Zeitungsbildes hat eigentlich immer eine starke symbolische und emotionsgeladene Kraft, die auch durchaus über die reine Berichterstattung hinaus eingesetzt und benutzt wird. Sei es der im Krieg gefallene Soldat, das verstorbene Staatsoberhaupt, der Spitzensportler oder der zu Unrecht umgekommene Mensch, verwiesen wird auf den Verlust innerhalb einer Gemeinschaft gleichwohl auch auf die Tragweite und Konsequenz dieses Verlustes.

Bei den Bildern „Waffenkisten“ ist weniger der Aspekt interessant, dass Waffen in Kisten gelagert und transportiert werden als vielmehr die Tatsache, dass Kisten über ihren Inhalt hinwegtäuschen sollen. So beim Waffenschmuggel.

Das Zeitungsbild mit „Wahlurnen“ wie auch mit „Wahlkabinen“ verweist das

Einsammeln von Stimmen in Form des Papiers auf demokratische Verhältnisse des Landes. Diese Sammelaktion ist immer aufgeladen mit der Hoffnung zu einer Veränderung zum Positiven oder der Bewahrung dessen was ist.

Trotz des Standards, den ein Land mit geheimen, demokratischen Wahlen etabliert hat, birgt der einfache Prozess des Zettelsammelns die Gefahr der Manipulation von Wahlen. Die Zeitungsbilder mit diesen Motiven wirken immer wie eine Manifestation des tatsächlich stattfindenden Wahlrechtes, ganz nebenbei erzählen sie auch von dem jeweiligen Umfeld, in dem dies stattfindet.

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_Zeitungsbilder Register 003 (S) 14.01.01 Skandalhäuser

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ZB_Zeitungsbildkartei (S)

Reg. 14.01.1 Skandalhäuser

Den Titel „Häuser und Behausungen“ trägt der Register Nr.14 innerhalb der Kartei der Zeitungsbilder mit der Schachtel-Nr.4 von 15 Karteien. Der Zeitraum des Sammelns ist von 2007 – 2013 ∞. Der Register Nr.14 ist bislang in vier weitere Unterregister eingeteilt. Gesammelt wurden/werden die Zeitungsbilder, auf denen Häuser und Wohnsituationen zu sehen sind, die auf einen Anlass verweisen. So sind zum einen Häuser zu sehen, in denen nicht das Wohnen thematisiert ist, sondern in denen ein von der sozialen Norm abweichendes Verhalten stattgefunden hat bzw. in denen eine Person, die dergleichen Verhalten an den Tag gelegt hat, lebt/wohnt. Dies sind die so genannten „Skandalhäuser“. Sie lassen sich, nach dem Unterscheidungsmerkmal ihrer Bauweise, weiter unterteilen in Häuser mit Giebeldächern und in Häusern, die kein Giebeldach haben.

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_Liste(n)(S)

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Auszug aus dem RegelWerk (RW)

/3.1 Listen

Die Listen sind ein Verzeichnis all dessen, was bei Standard Euro in größerer Anzahl auftaucht. Gelistet wird Listenswertes aus allen drei Gruppen (E-S-B).

Die Listen bestehen aus hochweißem Computerpapier.

Die gelochten Ränder werden entlang der Perforation entfernt und im Ausschuss-Sack gesammelt.

Die Listen dienen der Arbeit im ArbeitsRaum, können aber auch Bestandteil des AusstellungsRaums sein und veräußert werden.

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_WüstenFelder (B)

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WüstenFelder (B)

Abk B_NoFil_WüsFe_1-25 _BN Patric Dreier _TM Öl auf Vorsatzpapier 25 x 50,0 x 70,0cm

Den Titel „WüstenFelder“ trägt der FilzDruck Nr. 4.1.11 innerhalb des Bestand-Bereichs NormFilz. Er ist ein Ermittelter Freier Standard. Der Beleg wurde 08/2005 in eine K2 Kiste Nr.61 eingekistet und besteht aus 25 mit schwarzer Ölfarbe bedruckten Papier-Blättern, auf die sich das Motiv verteilt. Die Vorlage dazu ist ein Zeitungsbild, abgelegt in der VorlagenKartei.Zeitungsbilder Nr. 5 unter dem Register 6 „Satellitenbilder“ mit der Bild-/Kartennummer 05002_0065. Das Bild entstammt der FAZ und ist vom 12.06.2005. Aufgenommen wurde es am 12.02.2004. Gezeigt wird der Zustand der Saudi Arabischen Wüste südlich von Tubarjal. Hunderte von in seltsam ineinander verschränkten Karrees angeordnete Punkte stellen runde Bewässerungsfelder dar. Seit den achtziger Jahren wird mit Hilfe von Drehachsen-Bewässerungssystemen die Landwirtschaft in der saudischen Wüste auf begrenzte Zeit betrieben. Das Wasser dazu kommt aus einem Grundwasserspeicher, der sich Kilometer tief in der Erde befindet. Das Wasser ist vermutlich 20000 Jahre alt. Bei dem Anlegen der Felder in diesem Bereich der Wüste gab es offensichtlich die Voraussetzungen (welcher Art auch immer) dazu, die Anordnung der Felder sehr systematisch zu betreiben. So können in einem Karree immer 10 auf 10, sprich 100 Felder betrieben werden. Es gibt zwei Blöcke, in denen mehr oder weniger Streng diese Karrees in mehreren Spalten und Reihen angeordnet sind. Nicht nachvollziehbarer Weise greifen diese Blöcke allerdings schräg versetzt ineinander…

Systeme und die Grenzen ihrer Nachvollziehbarkeit.

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_MatterHorn (B)

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_MatterHorn

Abk B_NoFil_MatHo_1-04 + B_NoFil_MatHo_5(Totale) _BN Patric Dreier _TM Filz 60,0 x 60,0 x 51,0cm

Den Titel „MatterHorn“ trägt das FilzObjekt Nr.4.3.01 innerhalb des Bestand-Bereichs NormFilz. Es ist ein Ermittelter Freier Standard. Der Beleg wurde 07/2006 in zwei K5 Kisten Nr.62 und Nr.63 eingekistet und besteht aus 4 aus Filz gearbeiteten Einheiten, die ein Objekt ergeben. Es gibt zu diesem Motiv diverse Zeitungsbilder, abgelegt in der VorlagenKartei.Zeitungsbilder Nr.9 unter dem Register 10 „MatterHorn“. Es handelt sich dabei meistens um Print-Anzeigen für Produkte, die mit dem Matterhorn in Verbindung gebracht werden. Entweder handelt es sich um ein Produkt aus der Schweiz oder um ein Produkt, das sich auf einen Berg bezieht. Dass dazu gerne und häufig das Bild des Matterhorns als eines der bekanntesten Berge der Welt verwendet wird, liegt an seiner besonders markanten Form. Er ragt mit allen seinen vier Seiten bzw. Graten gleichmäßig aus der Walliser Alpen- Berggruppe heraus. Bekannt ist das Bild des Berges allerdings nur von genau einer Blickrichtung aus – nämlich der Blick auf die Ost- und Nordwand, auf den Hörnligrat. Der Blick wurde normiert.

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_EichmannImProzess (B)

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_EichmannImProzess

Abk B_NoFil_EiIPr_1-06 _BN Patric Dreier _TM Filz 6x 60,0 x 60,0 x 1,0cm

Den Titel „EichmannImProzess“ trägt das FilzRelief Nr.4.2.06 innerhalb des Bestand-Bereichs NormFilz. Es ist ein Ermittelter Freier Standard. Der Beleg wurde 05/2012 in eine K2 Kiste Nr.108 eingekistet und besteht aus 6 x 4 (24) aus Filz gearbeiteten Einheiten, die jeweils ein Relief ergeben. Die Vorlage dazu ist ein Zeitungsbild, abgelegt in der VorlagenKartei.Zeitungsbilder Nr.14 unter dem Register 4 „Menschen“ mit der Bild-/Kartennummer 06015_0062. Das Bild bestehend aus sechs verschiedenen Porträts Eichmanns während seines Prozesses entstammt der SZ und ist vom 08.06.2006. Die Aufnahmen sind während der Prozesstage beginnend am 11.4.1961 gemacht worden. Bilder mit Eichmann als Motiv tauchen immer wieder in der Zeitung auf, da sich weiterhin Material und Fakten zu dem Prozess und der Verschränkung zur Regierung der jungen Bundesrepublik bzw. der Aufarbeitung des Holocausts im Nachkriegsdeutschland finden und freigegeben werden.

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_FliegerBruchTeile (B)

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_FliegerBruchTeile

Abk B_NoFil_FliBT_1-06 _BN Patric Dreier _TM Filz 6x 60,0 x 60,0 x 1,0cm

Den Titel „FliegerBruchTeile“ trägt der FilzDruck Nr. 4.1.12 innerhalb des Bestand-Bereichs NormFilz. Es ist ein Ermittelter Freier Standard. Der Beleg wurde 08/2009 in eine K3 Kiste Nr. 59 eingekistet und besteht aus 32 mit schwarzer Ölfarbe bedruckten Papier-Blättern, auf die sich das Motiv verteilt. Die Vorlage dazu ist ein Zeitungsbild, abgelegt in der VorlagenKartei.Zeitungsbilder Nr. 11 unter dem Register 2.01.1 „Flugobjekte. Abstürze. Am Boden/ Im Wasser“ mit der Bild-/Kartennummer 09149_0283.

1988 stürzte über dem schottischen Lockerbie aufgrund eines Attentats eine PanAm-Maschine ab. 270 Menschen starben. Die Bruchteile der Maschine wurden zu Autopsie-Zwecken in einer Halle zusammengetragen, um auch auf diesem Wege herauszufinden, wer der Verursacher des Anschlags ist. 2009 wurde bereits der Strohmann, der eingesetzt wurde um das britisch-lybische Verhältnis nicht zu sehr zu belasten, aus seiner Haft entlassen. Viele Theorien existieren zu den möglichen Drahtziehern des Anschlags, keine sind je wirklich bewiesen , kein Schuldiger gefunden worden. Dieses Ereignis und Geschehnisse, die im Zusammenhang mit ihm stehen, sind immer wieder ein Presse-würdiges Thema.

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_EreignisWolken (B)

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_EreignisWolken

Abk B_WisIB_ErWol_1-10 _BN Patric Dreier _TM Grafit auf Vorsatzpapier 10x 50,0 x70,0 cm

Den Titel „EreignisWolken“ tragen die Staubschablonierungen Nr. 6.2.02 innerhalb des Bestand-Bereichs WissenschaftImBilde. Er ist ein Ermittelter Freier Standard. Der Beleg wurde 11/2012 in eine K1 Kiste Nr.52 eingekistet und besteht aus 10 mit Grafitstaub betupften Papier-Blättern, deren Motiv jeweils eine Wolke ist. Formen und Schattierungen der Wolke ergeben sich aus dem Verfahren des Schablonierens. In diesem Fall trägt die Art der Umsetzung – also das Leichtflüchtige eines Wolkenbildes in einer Schablone erstarren zu lassen - eine irrwitzige Komponente. Die Vorlage zu den EreignisWolken ist je ein Zeitungsbild, abgelegt in der VorlagenKartei.Zeitungsbilder Nr.8 unter dem Register 13 „Wolken“ mit den Bild-/Kartennummern 10389_0489, 11008_0480, 05006_0048, 00001_0038, 10390_0495, 11003_0476, 09524_0497, 09541_0502, 09542_0503, 10241_0491.

Die Bilder entstammen alle der SZ und sind der Reihe nach vom 08.05.2010, 14.03.2011, -, 13.08.2000, 12.05.2010, 31.03.2011, 24.07.2009, 14.01.2009, 15.09.2001, 16.09.2010.

Die Wolken sind den Registern „Aschewolken“, „Radioaktive Wolken“ und „Rauch- und Explosionswolken“ entnommen.

Alle Wolken - ausschließlich der Vulkanausbruch – sind auf Ereignisse zurückzuführen, die durch Menschenhand eingeleitet bzw. ausgelöst wurden. Der Ascheregen des Vulkanausbruchs wiederum hat maßgeblich in den geregelten Ablauf des Flugverkehrs in weiten Teilen der Welt eingegriffen.

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_SprühEinsatzLinien (B)

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_SprühEinsatzLinien

Abk B_WisIB_SpELi_1-6 _BN Patric Dreier _TM Grafit auf Vorsatzpapier 50,0 x 70,0 cm

Den Titel „SprühEinsatzLinien“ tragen die Staubschablonierungen Nr. 6.31 innerhalb des Bestand-Bereichs WissenschaftImBilde. Er ist ein Ermittelter Freier Standard. Der Beleg wurde 06/2013 in eine K1 Kiste Nr.54 eingekistet und besteht aus 6 mit Grafitstaub betupften Papier-Blättern, deren Motiv zusammen eine grafische Übersetzung von Fluglinien ist. Diese Linien beschreiben die von den Flugzeugen geflogenen Routen, die zum Versprühen des Entlaubungsgiftes Agent Orange im Vietnamkrieg von den Amerikanern eingesetzt wurden.

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_LuftAufklärung (B)

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_LuftAufklärung

Abk B_WisIB_LufAu_1-12 _TM Beton _12x 30,0 x 30,0 cm

Den Titel „LuftAufklärung“ trägt der Betonguss Nr. 6.32 innerhalb des Bestand-Bereichs WissenschaftImBilde. Er ist ein Ermittelter Freier Standard. Der Beleg wurde 05/2015 in die K1 Kisten Nr.74 – 79 eingekistet. Er besteht aus 12 in Beton gegossenen Platten, deren Motiv zusammen die grafische Übersetzung einer Luftaufnahme eines Ortes in Afghanistan beschreibt. In dem Gebiet um Mazar-e-Sharif befanden sich von 2007-2010 deutsche Luftaufklärungsgeschwader, die aufgrund technischer Neuerungen zahlreiche Dörfer aus der Luft unbemerkt beobachten konnten. Anhand der Fülle der Aufnahmen wurde automatisch die Abweichung von der Norm als Verdachtsmoment ermittelt.

Die Vorlage zu LuftAufklärung ist ein Zeitungsbild, abgelegt in der VorlagenKartei.Zeitungsbilder Nr.5 unter dem Register 6 „Luftaufnahmen. Stadt und Natur“ mit der Bild-/Kartennummer 11100_1032.

Das Bild entstammt der SZ und ist vom 08.05.2010.

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Publikationen

_Buch

Buch_HGB,

Vorwort Buch zur Ausstellung in der Galerie der HGB, Leipzig

Anlass für dieses Buch war die Ausstellung Standard Euro_InfoRaum. Ein Projekt von Anne Metzen, die vom 5.4. bis zum 1.5.2013 in der Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig stattfand.

Der Standard Euro_InfoRaum, wie er in der HGB inszeniert wurde, stellte ein Zwischenresümee nach gut sechzehn Jahre Entwicklung, Konkretisierung, Profilierung und Verdichtung des Systems Standard Euro dar. Er markierte das Ende des Stadium1, in dem die Methodik, das Regelwerk, die Nomenklatur etc. herausgebildet wurden. Die Ausstellung bot die Möglichkeit, Stränge zusammenzuführen, neue Verknüpfungen zu denken, alte wiederzuentdecken und auch vereinzelte Ausblicke auf das nächste Stadium von Standard Euro zu geben.

Standard Euro sammelt, inventarisiert und archiviert Informationen. Das meint: Phänomene des Alltags und des täglichen Weltgeschehens werden in Form von gefundenen oder selbst angefertigten Objekten, Bildern und Texten zusammengestellt. Unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Standardisierung, Normierung und Formalisierung werden diese Informationen klassifiziert und abgelegt. In den sechzehn Jahren seiner Arbeit hat Standard Euro dabei eine elaborierte Informationssammel-, Informationsverwertungs- und Informationsarchivierungsarchitektur ausgebildet.

Der Name dieses Forschungsprojektes ist der Verwaltungssprache entlehnt:

Standard Euro bezeichnet eine gängige Verpackungsnorm. Hier klingen drei Bereiche an, die für das künstlerische Projekt essentiell sind: (1) Sprache: die Taxonomie ist eine der wichtigsten Methoden, um Informationen wie Objekte zu sortieren, zu systematisieren, in eine existente Ordnung einzufügen. Die eigens von Standard Euro ausgebildete Nomenklatur bildet sprachlich die Struktur seines Ordnungssystems ab; (2) Verpackung: Über Kisten, Kästen und Schachteln, Objekte und Texte, die bestimmte Inhalte transportieren (oder auch nicht) tritt Standard Euro in Erscheinung; (3) Norm: Um Normierungen und Standards, ihre phänotypischen Ausprägungen, ihre Sinnhaftigkeit und Auswirkungen kreist alles Sammeln, Inventarisieren, Sortieren und Archivieren des Projektes Standard Euro.

Die Archivierungsarbeit Standard Euro ist ein offener Forschungsprozess. Gefundene Freie Standards materialisieren sich in Belegen oder visualisieren sich in Listen. Objektgruppen zu einzelnen Fragestellungen, etwa zu ikonischen Chiffren wie Kniefall oder EreignisWolken, werden zu Präsentationszwecken zu InfoRäumen zusammengeführt. Sämtliche InfoRäume stellen vorläufige Endprodukte der Recherche dar und sind gleichzeitig immer nur ein Ausschnitt der auf unendlich angelegten Forschung.

Das Sammelprinzip von Standard Euro gleicht einer semipermeablen Membran: Bestimmte Informationen oder Objekte werden in das System inkorporiert, fast nichts jedoch verlässt wieder das System; Müll, Übriggebliebenes, Verworfenes wird zu neu zu bearbeitendem Material. Die Struktur von Standard Euro erstreckt sich in drei Dimensionen gleich einem komplexen Molekülaufbau, sie bildet sich aus der multiplen Verschränkung seiner drei Bereiche Entwicklung, Systemverwaltung, Bestand. Der Bestand wird sichtbar über Belegstücke, die im Ausstellungszusammenhang in oder auf speziell angefertigten Normkisten, den so genannten InfoKisten, präsentiert werden wie z.B. Drucke oder Filzreliefs. Die Systemverwaltung erschließt sich über Karteikarten, Listen und die u.a. als Vorlagen dienenden Medienbilder. Die Entwicklung dieses Denksystems entfaltet sich schließlich über eine Präsentation von Klemmbrettern, Anschauungstafeln und anderem Material.

Jeder Ausstellung von Standard Euro eignet etwas ebenso Filmisches wie Narratives. Durch Verknüpfen der angebotenen Informationssplitter entspinnt sich eine Erzählung, durch ein Springen zwischen den Splittern kann man verschiedenen Erzählsträngen folgen und diese miteinander verknüpfen. In bester Short-Cut-Manier verschränken Präsentationen von Standard Euro einzelne, klar definierte und ausgearbeitete Themen zu einem organischen Ganzen, bei dem alles mit allem zusammenhängt. Jede Präsentation collagiert bestimmte Einzelaspekte oder Themencluster aus dem Standard Euro Ganzen, die Auswahl ist dabei subjektiv und antizipiert gleichsam das Mäandern, die Ellipsen und arbiträren Sprünge der Rezipienten im Ausstellungsparcours.

Diese Art, eine Standard Euro Ausstellung wahrzunehmen, wurde für das Buch zum Ordnungsprinzip erhoben. Von der Halbtotalen – ein Blick ins Arbeitsarchiv von Standard Euro – zoomt das Buch in verschiedene Behältnisse und deren Inhalte: Auf die Bilder der Kisten folgen Abbildungen der sich darin befindlichen Belegstücke wie z.B. die Drucke der WüstenFelder, der EreignisWolken oder das Filzobjekt MatterHorn . Dem nachgeordnet ist ein Karteienregister, ein Listenteil und ein Bildteil. Während der Bildteil in Leserichtung von links nach rechts organisiert ist und sich über die Einzelseiten hinweg fortsetzt, funktioniert das Lesen des Listenteils von oben nach unten, setzt sich dabei auch über die Einzelseiten hinweg fort (so dass sich die Fortsetzung von S.6 z.B. auf S.8 fände, die Fortsetzung von S.7 z.B. auf S.9). Das ermöglicht, Verschiedenes gleichzeitig in den Blick zu nehmen, somit Verknüpfungen herzustellen, Vergleichbarkeit wahrzunehmen, parallel zu lesen.

Gegen Ende des Buches findet sich in Ausschnitten das Regelwerk von Standard Euro. Und auf den letzten Seiten schließlich eine Bildstrecke der Ausstellung in Leipzig: des Standard Euro_InfoRaum, womit sich der Bogen schließt. Jeder Zoom in einen Erzählstrang, z.B. den der Bildstrecke oder des Listenwerks, ist gespickt mit Verweisen auf andere Teile des Buches, andere Stellen des Standard Euro Systems, an denen eine Detailinformation auch verankert ist und ggf. eine neue/andere Lesart eröffnet.

Dieses Buch funktioniert ein Stück weit wie die Rezeption einer Standard Euro Ausstellung, entsprechend kann es gehandhabt werden. In eine Linearität gebracht zeigt es Objekte, Bilder, Listen u.a. mit ihren Verknüpfungen zu- und untereinander. Damit entflicht es die Komplexität des Systems in ein les- und betrachtbares Nacheinander. Sowohl die Abfolge als auch die Verknüpfungen sind dabei fakultativ, arbiträr und subjektiv.

Dieses Buch ist ein Katalog und es ist kein Katalog. Es zeigt die Paletten, Kisten, Objekte, Listen, Tabellen, Schnipsel, Zeitungsausschnitte, die auch in Leipzig gezeigt wurden. Allerdings: Weder flankiert, noch dokumentiert, noch illustriert, noch kontextualisiert es die Ausstellung.

Dieses Buch ist ein Werkverzeichnis und es ist kein Werkverzeichnis. Zwar inventarisiert es die bisherigen Materialisationen, Visualisierungen, Strukturen und Verknüpfungen von Standard Euro. Seine Logik jedoch folgt nicht einem wissenschaftlichen, sondern einem künstlerischen Denken. Es verzeichnet nicht ein abgeschlossenes Werk, sondern eine Momentaufnahme eines sich ständig verändernden und erweiternden Forschungsprozesses. Das Buch ist der Versuch, das rhizomatische Wachstum von Standard Euro zu protokollieren und zu veranschaulichen.

Und: Der Prozess des Buchlesens, des Vor- und wieder Zurückblätterns durch eine Auswahl macht den Prozess des sich ‚In das System Standard Euro Hineinbegebens’, das Sich-Erschließen der Strukturen, Aspekte, Darstellungsarten Seite für Seite körperlich erfahrbar. Verknüpfungen werden auf eine bestimmte, von Rezipient zu Rezipient individuell andere Art hergestellt. Eine neue (Doppel-)Seite öffnet eine andere Welt.

Das Buch, wie jede Ausstellung von Standard Euro, ist nur ein Ausschnitt aus dem Ganzen, eine Auswahl, die getroffen wurde – getroffen von Anne Metzen, der Künstlerin, auf die das Projekt Standard Euro zurückgeht und die es seit 1997 betreibt. Ganz bewusst tritt Anne Metzen in den Hintergrund und leistet damit einer bestimmten Wahrnehmung von Standard Euro Vorschub: Standard Euro wird vorgestellt als Gerüst, das befüllt wird, als eine ent-subjektivierte Struktur, als ein System, das mitunter ein kafkaesk anmutendes Eigenleben entwickelt.

Neben dem wichtigen systemischen Aspekt hat der skulpturale ein mindestens so starkes Gewicht, wenn auch nicht in der Lesart, wie sie das Buch hier nahe legt. Im Ausstellungszusammenhang allerdings wird das Konzeptuelle konkret, hier stapeln sich raumgreifend und bildhauerisch im eigentlichen Sinne des Wortes Paletten, Regale, Kisten, Kästen, Schilder, Karten, Tafeln, Drucke und Schablonen, Stempel und Listen... Hier wird der Prozess des Sich-hinein-Begebens-in-die-Materie als Eintauchen in einen informatorisch und gestalterisch dicht befüllten Raum erfahrbar. Dass Anne Metzen nach ihrem Studium der Visuellen Kommunikation lange als Setdesignerin für Film und Theater gearbeitet hat, wird in ihren Ausstellungsinszenierungen an zahlreichen Details sichtbar.

Ebenso scheint ihre Haltung als Künstlerin durch: Anne Metzen zeigt sich als aufmerksame und kritische Beobachterin, die mitschreibt an gesellschaftlichen Diskursen. Der Fokus von Standard Euro auf absurd übersteigerte Verfahren des Inventarisierens und Archivierens kann auch gelesen werden als Kommentar zu unserer Wissens- und Informationsgesellschaft. Die Auswahl ihrer Belege zeigt ihr Gespür für Bildmotive, die als fast universell lesbare Chiffren unsere Kultur beleuchten; besonders deutlich wird das vielleicht bei der Gruppe der EreignisWolken(ErWol), Graphitstaubschablonierungen von Wolken nicht-meteorologischen Ursprungs, die infolge bestimmter Ereignisse entstanden sind, wie z.B. des Atombombenabwurfs auf Nagasaki 1945, des Absturzes der Challenger 1986, des Attentats auf die TwinTowers 9/11 oder der Reaktor-Katastrophe von Fukushima 2011. Entkontextualisiert und in neuem Zusammenhang gebündelt entfalten die Bildmotive ihre Kraft als Chiffren für menschengemachtes Grauen, für Hybris, Unglück und Katastrophe. Über das Verfahren der Taxonomie schließlich verweist Standard Euro auf die Untiefen von Verwaltungsapparaten, ebenso wie sie Sprachpolitik (z.B. der Wissenschaften) als soziales Distinktions-, und Machtinstrument thematisiert.

Standard Euro verarbeitet alltägliche Erscheinungen, ordnet Welt und bereitet sie in einer Art auf, die andere als die gängigen Lesarten anbietet. Standard Euro ist eine Art Wahrnehmungsreguliermaschine, die bestimmte Aspekte unseres Lebens – Medienbilder, Politikergebaren, kulturelle Manifestationen – scharf stellt und in neuen Zusammenhängen anders wieder lesbar macht. Der subtile Humor des Projektes zeigt sich in der trockenen Sprödigkeit seiner Präsentationen, in den auf die Spitze getriebenen Anleihen an Verwaltungssprache (Abkürzungen), im Adaptieren wissenschaftlicher Verfahren (Typologien, Taxonomie) und in der Absurdität, die durch das Zusammenstellen von Bildern (z.B. in Vorlagenkarteien) und das Ausreizen von Konsequenz im Anwenden gesetzter Parameter und Regularien entsteht.

Im Standard Euro System gibt es viele Grauzonen, uneindeutige oder doppelte Zuordnungen, Sackgassen, Fehlstellen. Gleichzeitig gibt es eine Fülle von Zusammenhängen zu entdecken, mitunter verstörende, aber auch beglückende Erfahrungen zu machen. Durch die Präsentationsform ‚Buch’ erhält Standard Euro eine ganz andere Rahmung als in einer Ausstellung. In seiner Materialfülle, seiner Dichte und vor allem der visuellen Aufbereitung ist das Buch eine Einladung an jede Leserin und jeden Leser, tief einzutauchen in das System Standard Euro, ein Bad zu nehmen in der Materie.

Dr. Silke Feldhoff

(Kunstwissenschaftlerin und Kuratorin der Standard Euro_InfoRaum-Ausstellung in der HGB Leipzig

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_Presse Texte

Zeitungsartikel Jens Kassner – Leipziger Volkszeitung, Zeitungsartikel Uta Baier – Berliner Zeitung, Zeitungsartikel Uta Baier – Die Welt, Zeitungsartikel Konstantin Kumpfmüller – Radiosender Mephisto

_Kuratoren Texte

Dr. Silke Feldhoff,

Dr.Silke Feldhoff

Taxonomie* wird Kunst – das Denksystem Standard Euro feiert heiter die Untiefen unserer Alltagskultur und nebenbei sich selbst.

Standard Euro, initiiert und betrieben von Anne Metzen, widmet sich seit 1997 der gedanklichen Erschließung und Vermittlung lebensweltlicher Phänomene aus den Bereichen Organisation, Kommunikation und Wahrnehmung. In einer Selbstbeschreibung nennt sie ihr Anliegen das „Erforschen und Systematisieren von Standardisierungen, Formalisierungen, Normen“.

Das sieht so aus, dass sie aus ganz normalem Alltagsleben zum einen qualitative Muster, Strukturen von Durchschnittsbeschaffenheit extrahiert, auf der anderen Seite einzelne Höhepunkte, das ‚Typische‘, das als pars pro toto größere Zusammenhänge beleuchtet. Dieses Sammeln und Analysieren der selbstbeauftragten Feldforscherin in quasi-philosophischer Mission geht seit Gründung in einem bis dato unabgeschlossenen work in progress Hand in Hand mit der Entwicklung eigener Systeme zur Klassifizierung, Kategorisierung, Benennung und Darstellung ihrer Forschungsergebnisse gegenüber Anderen. Dabei lehnt sie sich an bereits etablierte Ordnungssysteme an, die sie in ironischer Brechung, absurder Übersteigerung oder auch vorgeblicher Sinnverweigerung für ihre Zwecke modifiziert. Damit haben wir vor uns: eine Taxonomin, deren Untersuchungsgegenstand ein signifikant anderer ist, als derjenige von Biologen oder Linguisten, die sich nichtsdestotrotz in sehr starkem Maße der Sprache bedient, um den Aufbau eines kulturellen Systems zu beschreiben. Hier vergegenwärtige man sich nur die aberwitzige Nomenklatur ihres Systems, das en passant Wissenschaftsterminologie und Verwaltungs-klausulierungen persifliert. Dies ist aber nur ein – wiewohl sehr attraktiver – Nebenschauplatz. Das Herzstück der Standard Euro’schen Taxonomie liegt in seinem System und in seinen Beständen. Hieraus speist sich der untergründige Witz der Arbeit, ihre Potenz und Relevanz. Denn während auf den ersten Blick ein besonderes Faible für das Absonderliche, eher Abseitige, vielleicht absurd Erscheinende als Auswahlkriterium das Charakteristikum dieser Sammlung zu sein scheint, ist es doch vielmehr so, dass erst die Art der Auswahl und dann der Darstellung das ‚Typische‘ in seinem skurrilen Charme, seinen abgründigen Konnotationshöfen, seinen mitunter entlarvenden Formalismen sichtbar macht. Der ‚Bestand‘ von Standard Euro besteht bisher aus dem System mit den Bereichen „DiInf“ (DieInfos), „DiFir“ (DieFirma), „NorFi“ (NormFilz), „GreFE“ (GrenzenFür Europa), „DeVer“ (DerVerein), „EheMa“ (EheMachen) mit den entsprechenden ‚Beleg-stücken‘; dies sind Bildkürzel oder allgemein bekannte Bildformen. Von der medialen Aufbereitung her selbst standardisiert liegt der Bestand in Form normierter InfoKarten, InfoRäume und des InfoNet vor, also digital, analog in Form von Objekten, Papierarbeiten, Fotos und darüber hinaus in der Etablierung von Raumsituationen. Die einzelnen Belegstücke selber finden sich in Normkisten von 70 × 50 × 10/20/30/40/50 cm Größe archiviert. Ist das „Einkisten“ (=Archivieren) bereits eine Methode aus dem Wissenschaftsbereich, so kann erst recht das Stapeln der Kisten als attraktives bildliches Äquivalent zum Verfahren der „historischen Schichtung“ gelten. Bei den archivierten Belegen handelt es sich zudem um Transformationen von Realien, das heißt von gefundenem oder dokumentiert gefundenem Alltagskulturgut wie bestimmten Bildern, Formen, Materialien. Diese Funde sind Ideengeber für Objekte, die dann extra hergestellt werden; in enger Anbindung an ihren Ursprung im Gewöhnlichen, aber eben mit dem entscheidenden shift / der entscheidenden kleinen Verschiebung, so dass sie ins Raster von Standard Euro passen und als Belegstück eine ihrer Behauptungen visualisieren. Durch das gezielte Isolieren, Analysieren, Transformieren und der öffentlichen Wahrnehmung wieder neu / anders Zuführen solcher Funde werden die Belege zu besonderen, sprechenden kulturellen und auch kulturhistorisch relevanten Zeugnissen. Aus kunsthistorischer Sicht gilt es hier eine deutliche Affinität zu wichtigen Strömungen der Kunst der 1990er Jahre zu konstatieren, in denen sich Diskurse um die Themen Alltag und Alltagszeugnisse und die Methoden des Sammelns und Archivierens bündelten. In unserem Zusammenhang ergiebiger dürfte die Beobachtung sein, dass sich Standard Euro mit dem Sammeln und Archivieren von Belegen, die ihren Ursprung und ihre Begründung in aktuellen zeitgenössischen Realien tragen, in eine gewisse Nachbarschaft zur Zeithistorischen Archäologie begibt, einer noch jungen Wissenschaftsdisziplin, die, ähnlich der Kultursoziologie in den 1990er Jahren, noch ihrer wissenschaftlichen Begründung als interdisziplinäre Forschungsrichtung zwischen Archäologie und Geschichtswissenschaft harrt. Durch die Entwicklung eines eigenwilligen Systems sowie einer eigenständigen Nomenklatur geht Standard Euro deutlich auf Distanz, ohne methodische und thematische Anleihen zur Kultursoziologie und zeithistorischen Archäologie zu leugnen. Es zelebriert ein selbstironisches Spiel von Aneignung und Brechung (auch darin Diskursen der 90er verwurzelt); sein Skeptizismus bricht sich Bahn in dem Moment, in dem es den Objektivierungs- und Klassifizierungswahn der Wissenschaft durch einseitige Forcierung bestimmter Aspekte, durch offengelegte Fakes und durch sprachliche Absurdismen unterläuft. Den Fokus allerdings ausschließlich auf solche Brechungen zu richten, griffe beim Versuch, sich das Denksystem Standard Euro zu erschließen, zu kurz. Vielmehr betreibt Anne Metzen mit Standard Euro ein Unterfangen, das knallharte Konzeptkunst mit Spaß und sinnlicher Umsetzung paart – und das nicht im luftleeren Raum, sondern im prallen Leben, in das wir alle eingeschrieben sind und in das wir uns permanent selbst neu einschreiben. Standard Euro praktiziert, was die ehemalige Leiterin des Bonner Kunstvereins, Annelie Pohlen, vor Jahren so schön mit „Kunst als kreative Grundlagenforschung“ beschrieb: Als selbstbeauftragte Feldforschung widmet sie sich dem Anliegen, Licht auf Unterströmungen kultureller Manifestationen zu werfen, die – z.T. erschreckend, z.T. belustigend, z.T. auch beides zusammen – ansonsten aus der Wahrnehmung kippen oder auch bewußt aus der Wahrnehmung gedrängt werden. Standard Euro wandert munter auf diversen Bergrücken medialer – kommunikationstechnischer und wahrnehmungspsychologischer – Verwerfungen. Von diesem Grat aus gibt es einen recht guten Überblick über die Untiefen unserer Alltagskultur. Hieraus schöpft es seine konkreten Themen, seine Sprache, seine Bilder. Mit diesen baut es sein alternatives Denksystem Standard Euro – eine mögliche Anleitung, Welt anders zu begreifen, eine Denkalternative quasi-philosophischer Manier. Daß im Moment der Erleuchtung ein breites Grinsen die natürliche Reaktion des einen oder anderen Rezipienten zu sein scheint, dürfte alle Beteiligten erfreuen.

Taxonomie= wissenschaftlicher Terminus, ursprünglich aus der Biologie. Bezeichnet im engeren Sinne die Einordnung von Lebewesen in ein (biologisches) System, im weiteren Sinne das Klassifizieren und entsprechende Benennen neu entdeckter oder gezüchteter Pflanzen. Taxonome sind entsprechend diejenigen, die Taxonomie betreiben; gebräuchlicher Terminus bei Forschungen im Umfeld von Rosen- oder Orchideenzüchtungen. Der Terminus wurde adaptiert von der Sprachwissenschaft und bezeichnet hier dasjenige Teilgebiet der Linguistik, auf dem man durch Segmentierung und Klassifizierung sprachlicher Eigenheiten den Aufbau eines Sprachsystems beschreiben will. Übertragen auf die Arbeit von Standard Euro meint der Begriff ‚Taxonomie‘ das Segmentieren, Klassifizieren und spezielle Benennen alltagsweltlicher Phänomene und Strukturen und ihrer entsprechenden Belege zur Verdeutlichung des Aufbaus des von der Künstlerin behaupteten kulturellen Systems.

Silke Feldhoff, Berlin 2005

Dr. Nike Bätzner

Dr. Nike Bätzner

Anne Metzens Standard Euro als Informationswolke: „Listen to the Listening Station“

Seit 1997 treibt Anne Metzen das Projekt „Standard Euro. Ermittlung und Archivierung Freier Standards“ voran. Ganz selbstverständlich gehen wir täglich mit Standards um, kaufen, gleich wo auf der Welt, genormte Flaschen für den Durst unterwegs, gehen überall ins Internet, nutzen unsere Kreditkarten. Standardisierungen sind für den interkulturellen und wirtschaftlichen Austausch unumgänglich: Ohne die weltverbindliche Zeitrechnung, in Äquivalenzen setzbare metrische Längen- und Gewichtsmaße sowie gegeneinander aufrechenbare Währungen, ohne die normierten Frequenzen der Telekommunikation wären unsere transnationalen Interaktionen nicht denkbar. Doch zugleich wird Kritik laut an der Überreglementierung beispielsweise seitens der Europäischen Union, an der Standardisierungen von Lebensmitteln, der Normierung von Qualitätsstandards ebenso wie von bürokratischen Abläufen. Das Ziel einer behördlichen und ökonomischen Integration der Mitgliedstaaten, vordringlich dem Verbraucherschutz, dem Umweltschutz, einer alles umfassenden Marktorientierung dienend, bedeutet auch eine Abwehr des Fremden, einen Ausschluss des Anderen, einen Bann gegen alles jenseits des Normalmaßes.

Doch wer maßt sich die Definitionsmacht an? Anne Metzen setzt dieser Durchorganisation unserer Welt eine Ermittlung Freier Standards entgegen. Sie sammelt alltägliche Phänomene, erfasst, was ihr bei der täglichen Zeitungslektüre oder der Beobachtung ihrer Umwelt als wiederkehrendes Element auffällt, aus dem sich eine formalisierte Reihe bilden lässt. Wie könnte man beispielsweise Wolkenformationen standardisieren?

Sie versieht die Bildersammlungen mit Notizen und Kommentaren, die aus dem Informationsgewölle herauszulösen sind, legt diese in einem Karteikastensystem ab, entwickelt Stempel, Schablonen, Kastenmodule. Die aus unterschiedlichen Quellen entnommenen Materialien werden kombiniert mit eigenen Bildern, mit Interviews, Statistiken, Vermerken.

Archive sind Erinnerungsspeicher, Anhäufungen von nach System abgelegten Akten und Dokumenten. Äußerlich betrachtet agiert Metzen nach standardisierten Ordnungsstrukturen: Ablage, Gruppierung der Unterlagen in Kladden, Kisten, Karteikartenerfassung. Aber versucht man, die Informationen herauszulösen, wird es absurd – dann entdeckt man, dass der fiktionale Gehalt einer reibungslosen Recherche und Deutung widerstrebt. Nach welchen Kriterien wurden die Parameter überhaupt gesetzt? Wem soll das Ganze nutzen? Für welche Auswertung ist es gedacht? Worauf zielt diese immer weiter wuchernde Sammlung mit offenem Ergebnis?

Die Strenge der Form, die aus den archivarischen Systematisierungen erwächst, ist eine Tarnung. Denn mit den Konvoluten von Standard Euro wird eine Fiktionalisierung von Ordnung und Regelwerk betrieben. Aus dem Material ergibt sich die Kategorie. Die vermeintlich entdeckte Norm wird zur Hypothese. Durch Aufsplitten und Gliedern der Information wird diese aus dem sie zuvor umrahmenden Kontext isoliert. So zerstückelt ist sie auf neue Weise oder zum Teil auch kaum mehr lesbar. Die eingliedernde Interpretation ist ein Angebot, mit dem eine eindimensionale Engführung in einen überzeitlich schlüssigen Kanon unterbleibt. Die nicht mehr zu bewältigenden täglichen Informationsanhäufungen werden durch die Isolation einzelner Bestandteile und die nur behauptete Klärung ihres Gehalts durch die Einordnung in Freie Standards unterlaufen und in ihrer Absurdität vorgeführt. Metzens Interesse an der Manipulation von Information, an den Modi der Informationsverarbeitung, den möglichen Auswirkungen all dieser Meldungen und dem Umschlagen von Fakt in Behauptung schlägt sich so in einer Irritation des Systems nieder.

Die Ablagerungen der Sammlungen bilden sich im Raum ab: Stapelungen bezeugen Schichtungen, Kisten formieren sich zu Innenarchitekturen. Für die jeweilige Präsentation werden die Displays angepasst. Ist das Setting der Archivierung und Ablagesysteme eine „bloß“ künstlerische und damit zweckfreie Form?

Doch auch der Inhalt des Archivs wird je nach Ort seiner Auf- und Ausstellung neu fokussiert – und daraus lassen sich durchaus Erkenntnisse ableiten, die über die Feststellung einer generellen Fiktionalisierung von vermeintlich objektiven Standards hinausgehen.

Für die Sinopale 3 hat Metzen ein FeldArchiv entwickelt, in dem sie Informationen zur Abhörstation der ehemaligen, 1992 geschlossenen, us-amerikanischen Militärbasis der Stadt verwertete. Der konkrete Ort lieferte den Anlass für eine weltumspannende Recherche zu den Rückständen der Informationsnetzwerke des Kalten Krieges. Exemplarisch wird Material zu Abhörstationen an zehn Orten der Welt erfasst. Durch die temporäre Verortung des Archivs in Sinop ergibt sich ein rhizomatisches Bild. Dieses basiert auf Interviews und deren Protokollierung, wird ergänzt durch eine Weltkarte, auf der die Orte der Abhörstationen verzeichnet sind, durch in Drucken festgehaltene Spuren der Recherche, mittels Einschreibungen – also graphischen Markierungen einer Geographie. Satellitenbilder aus Google-Earth verschaffen einen objektivierbaren Abstand. Welchen Codes, Standards oder Übereinkünften folgten die Erkenntnisse der Überwachungsorgane der Geheimdienste?

Lässt sich dieses Top-Secret-Material imaginieren? Wie stehen dem die Erlebnisse und Eindrücke der vor Ort Lebenden gegenüber? Durch die Auswertung der Netzwerke von ehemaligen Basisangestellten, in denen sich die persönlichen Begegnungen und familiären Verbindungen der politisch gewollten türkisch-amerikanischen Verflechtung niederschlagen, entsteht ein Informationsknäuel. Lassen sich daraus Freie Standards ableiten? Mittels der Interviews und mit einem Zettelsystem für Kommentare der Besucher wird die Informationsbildung in Gang gesetzt. Sie wird so nicht nur im FeldArchiv zusammengetragen, sondern verflicht sich in die Stadt hinein, verselbständigt sich in Gesprächen – als Erinnerungs- und Aktualisierungswolke.

Aktuelles | Kommendes

InfoRaum _Proteste
Solo Exhibition
Opening
2016_10_28 7.00 pm
Exhibiton
2016_10_29 – 2016_11_19
Galerie Loris
Potsdamerstrasse 65
D- Berlin

Kontakt

Anne Metzen
Graefestr.71, 10967 Berlin
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Impressum

Gestaltung

Patric Dreier
www.iciio.com

Programmierung

Michael Thomas
www.bureau-k.de

Photographie:

Michael Ehtritt, Patric Dreier, Anne Metzen, Stefan Huth, Els vanden Meersch